Was heißt schon Kommunikation?

Frage:       Wie gut ist denn Ihre Kommunikation im Betrieb?

Antwort:    Bestens! Mit unserer ausgezeichneten Computertechnik sind alle Arbeitsplätze miteinander vernetzt, jeder Mitarbeiter hat seine eigene E-Mail-Adresse und mit den Firmenhandys sind alle jederzeit erreichbar!

Frage:       Reden Sie auch mal miteinander so von Mensch zu Mensch?

Antwort:    Ja klar. Manchmal geht es nicht anders, da muss man auch mal Klartext reden!

 

Was ist Kommunikation?

 

Wikipedia:  „Kommunikation ist der Austausch oder die Übertragung von Informationen (Wissen, Erkenntnis, Erfahrung). Mit „Austausch“ ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen gemeint. „Übertragung“ ist die Beschreibung dafür, dass dabei Distanzen überwunden werden können, oder es ist eine Vorstellung gemeint, dass Gedanken, Vorstellungen, Meinungen und anderes ein Individuum verlassen und in ein anderes hineingelangen."

Also ist sie mehr als ein Weitergeben nackter Fakten (es fehlt der Austausch und evtl. das Hineingelangen der Information in das empfangende Individuum), und etwas anderes als oberflächlicher Smalltalk (Informationsmangel).

 

Was hat sie mit der Organisation zu tun?

 

Für mich ist die Kommunikation im Betrieb der „Schmierstoff“ der Organisation. Je nachdem wie wertschätzend miteinander umgegangen und kommuniziert wird, laufen die Geschäftsprozesse wie geölt oder mit Sand im Getriebe. Es ist sehr schade, wenn ein bestens strukturiertes Unternehmen mit klar definierten Abläufen und minutiös festgelegten Hierarchien und Verantwortungsbereichen, wegen Außerachtlassens der menschlichen Aspekte nicht die Effektivität erreicht, die es erreichen könnte.

 

Wie soll sie denn aussehen, die wertschätzende, empathische Kommunikation?

 

Respektvoll, achtsam, mit wahrem Interesse am Menschen, hörend und sehend, einfühlsam, authentisch, auf Augenhöhe  -  oder kurz gesagt:

Gehe so mit Deinem Gegenüber um, wie Du möchtest, dass mit Dir umgegangen wird. (Wie die goldene Regel der Menschheit)“

 

Das weiß ich doch alles und grundsätzlich gehe ich auch so mit meinen Mitarbeitern um!

 

Tatsächlich ist das Wissen um die Wichtigkeit einer dem Menschen zugewandten Kommunikation in sehr vielen Unternehmen bekannt. In größeren Betrieben gibt es sogar Kommunikationsabteilungen. Praktiziert wird allerdings oft etwas anderes, hinter dem man vielleicht noch gerade die gute Absicht erkennen kann.

Woran liegt das?

Am vermeintlichen Zeitdruck und auch daran, dass Prioritäten in der Praxis doch anders gesetzt werden, als man es sich vorgenommen hat?

Ich vermute, dass es noch einen anderen Grund dafür gibt:

Viele Menschen gehen mit anderen so um, wie sie mit sich selbst umgehen! Das ist oft nicht wirklich selbstwertschätzend! Oder wie würden Sie es finden, wenn da ein Chef oder auch Arbeitnehmer ist der

  •  alle körperlichen Symptome wie Kopfschmerz, Migräne, Herzrasen, Magenbeschwerden, etc. ignoriert, um jeden Auftrag  zu akquirieren
  • Familie und Freunde kaum noch kennt, weil er glaubt in der Firma unabkömmlich zu sein
  • Urlaub nicht nehmen kann, da der Betrieb sonst zum Erliegen kommt
  • sich mit Selbstvorwürfen geißelt, wenn er mal etwas vergessen hat
  • sich selbst nie gut genug fühlt, alles hätte besser laufen können

Achten Sie mal darauf, wie Sie mit sich selbst reden. Vielleicht so oder ähnlich?

  • Wie konnte ich nur so blöd sein, das nicht zu berücksichtigen!
  • Jetzt habe ich schon wieder den gleichen Fehler gemacht!
  • Es muss mir doch möglich sein, diesen Auftrag zu bekommen!
  • Was habe ich da denn schon wieder falsch gemacht?
  • Klar, dass mir das wieder passieren musste!
  • Man, wie lange brauch ich denn noch dazu!
  • Ich kapier das einfach nicht.

Über körperliche Grenzen und Gefühle hinweggehen, Selbstvorwürfe, negative Glaubenssätze, sich selbst diffamieren statt Verständnis, Respekt und Achtsamkeit dem eigenen Körper und Geist einfühlsam entgegenbringen.

Ist es dennoch möglich, authentisch eine empathische Kommunikation zu pflegen ohne dass es geschauspielert wirkt?

 

Fragen wir uns doch einmal ehrlich: Wie wünsche ich mir den Umgang der anderen mit mir? Wie fühlt es sich gut an mit Menschen zu reden, wann bin ich motiviert, bekomme wieder Lust an meinen Aufgaben? Kurz – wie hätte ich es gerne?

 

Der erste Schritt ist das Erkennen und das Bewusstwerden. Resultiert daraus eine Änderung der Einstellung, werden weitere Schritte folgen - zugegebenermaßen leichter und schneller mit professioneller Unterstützung. Lassen wir diese Art des Miteinanders in den Betrieb einfließen, kann  aus Verhalten – Haltung werden! Das Ergebnis lohnt sich nicht nur für ein besseres Betriebsklima, weniger Ausfallzeiten, zufriedenere Mitarbeiter und Kunden sondern ganz besonders auch für die Entspannung von Chef und Führungskräften (Die Familien werden sich freuen).

 

An dieser Stelle möchte ich auf den Film „Augenhöhe“ aufmerksam machen, der Argumente und Erfahrungen von Mitarbeitern und Chefs von Unternehmen zeigt, die ein Arbeiten auf Augenhöhe umgesetzt haben. Sie finden ihn im Internet unter http://augenhoehe-film.de  ….. Es ist also möglich!

 

Ich wünsche Ihnen einen respektvollen, achtsamen Umgang mit sich selbst. Sie haben es verdient!

 

  Martina Rodenbostel

Orga und Coaching UG