Bewusst leben

Was heißt "bewusst leben"?

 

Die Wissenschaft sagt, dass unser Denken zu ca. 5 - 10 %  bewusst und zu  90 - 95 % unbewusst abläuft. Müsste ich also, um bewusster zu leben, meinen Anteil am bewussten Denken erhöhen?  .... Eine äußerst herausfordernde, falls überhaupt machbare, Aufgabe!

 

Welche Möglichkeiten haben wir im "bewussten" Denken?  - Wir können

  • es manuell steuern
  • das im Unterbewusstsein abgespeicherte vorprogrammierte Denken unterbrechen und neue Reaktionen entwickeln
  • Visionen und Zukunftspläne entwickeln
  • in Vergangenheit und Zukunft denken

Nutzen tun wir überwiegend das letztere: Wir machen uns ständig Gedanken über die Vergangenheit und Sorgen um die Zukunft. Es geht also nicht um die Quantität des bewussten Denkens sondern eher darum, wozu wir es nutzen, um die Qualität.

 

Bewusst wahrnehmen

Hinschauen:

Wie sieht mein Leben jetzt aus? Was ist POSITIV, macht mich zufrieden, glücklich, bringt mir Freude. ... Da geht es schon los! Oftmals können wir das gar nicht sehen. Empfinden wir das Gute doch viel zu leicht als "selbstverständlich" und nehmen es deshalb gar nicht bewusst wahr. Außerdem sind wir bevor wir registrieren, dass es uns gut geht, schon wieder auf der Suche nach MEHR, was wir gerade nicht haben. Statt Dankbarkeit empfinden zu können, fühlen wir uns von Negativität umzingelt.

 

Was NEGATIV ist, fällt uns meistens schneller ein: Wenn etwas nicht so läuft wie ich es möchte,  Unzufriedenheit, Schmerzen, Krankheit, Arbeitsplatz- oder Beziehungsprobleme, etc. Und sollte es mir vermeintlich gut gehen, gibt es ja noch die kollektiven Stressthemen: bedrohter Weltfrieden, schlechtes Wetter, blöde Politiker, .... Gut gehen darf es mir nicht, dann falle ich auf und/oder gehöre nicht dazu.

Es gibt auch die, die weder das eine noch das andere wirklich sehen können oder wollen: Mir geht es gut mit meiner durch genügend Ablenkung (Medien, Drogen, Konsum, Stammtischgeplauder, etc.) dauergefärbten rosaroten Brille.

 

Diese vielen negativen Gedanken verursachen Stress!  75 - 90 % der Arztbesuche sind stressbedingt. Unser Körper reagiert auf stresserzeugende Gedanken genauso wie auf einen angreifenden Säbelzahntiger: Er setzt seine Stresshormone als Schutzmechanismen ein, in dem er das Blut aus dem Körper in Arme und Beine verlagert. Macht Sinn zum Kämpfen oder Flüchten! Bei dem heutigen, durch unsere Gedanken immer wieder hervorgerufenen (Dauer-)Stress, ist das ungefähr so, als wenn ich beim 100 m Lauf vergeblich nach dem "Auf die Plätze - Fertig" auf das erlösende "LOS" warte.

 

Dadurch, dass das Blut bei Stress in Armen und Beinen verweilt, steht es dem Immunsystem nicht zur Verfügung. Somit erhöht sich die Anfälligkeit für Krankheiten. Außerdem verhindert der Schutz der Zellen - das "Sich-Schließen bei Bedrohung" - Wachstum und Entwicklung, da dazu ein Öffnen der Zellen vonnöten ist.

Ein Kind mit Schulstress (z.B. bedrohlich empfundener Lehrer, mobbende Mitschüler) hat also kaum eine Chance auf erfolgreiches Lernen.

 

Da im Stress das Unterbewusstsein anhand seiner in der Vergangenheit gespeicherten Programmierungen agiert, dieser Stress erst durch Gedanken an die Vergangenheit und die dadurch erzeugten Sorgen um die Zukunft entstanden ist (also ebenfalls aus dem Unterbewusstsein), bedarf es einer äußerst bewussten Beobachtung seiner Gedanken um nicht in einen negativen Kreislauf zu geraten.

 

Unsere Stressreaktionen können wir nur in der Gegenwart kontrollieren. Und in der Gegenwart befinden  wir uns immer dann, wenn wir achtsam sind, oder auch meditieren.

 

Bewusst wählen

Haben wir uns und unser Leben bewusst wahrgenommen, öffnet sich die Möglichkeit der bewussten Wahl. Alles Negative im Außen ist eine Einladung zu wählen. Um es anhand eines Standart-Spruchs aus früheren Poesiealben zu sagen: Ich kann mich über die Dornen an einem Rosenstrauß ärgern oder ich wähle die Freude über die Blüten des Dornenstraußes.

 

Die ausdrückliche Formulierung "ich wähle ..." hat dabei eine entscheidende Bedeutung. Benutze ich Worte wie "Ich will ... " oder "ich will nicht ..." ( ... mehr Sport treiben), befinde ich mich vor der Entscheidung (irgendwann will ich mehr Sport treiben) und spiegel damit eine gewisse Machtlosigkeit wieder. Sage ich hingegen "Ich wähle .." (mehr sportliche Aktivitäten) ist das bereits die Entscheidung und dient meiner Selbstermächtigung.

 

Danach definiert sich bewusstes Leben so:

  • Achtsam wahrnehmen was ist
  • Wählen wie ich es gerne hätte
  • Umsetzen des Gewählten - Bewusstes HANDELN!

Bewusst leben heißt nicht zwangsläufig das Leben, Gewohnheiten oder Ansichten zu verändern. Auch keine Entscheidung treffen ist eine Wahl. Dann habe ich achtsam wahrgenommen wie die Situation ist, Alternativen geprüft und bewusst gewählt, alles so zu lassen wie es ist.

Bewusst werden

wer Du in Wahrheit bist,

welche Rollen Du als Mensch spielst,

welche Spiele Du mit anderen Menschen spielst und in welche Du Dich hineinziehen lässt,

und

bewusst wählen, worauf Du Deine Aufmerksamkeit lenkst.

 

 

  Martina Rodenbostel

Orga und Coaching UG