Neues lernen - Wie geht das?

Das Gehirn macht's

Unser Gehirn macht mit seinen 1,5 kg Gewicht ca. 2% unseres Körpergewichts aus, benötigt allerdings bereits im Ruhezustand 20% unserer gesamten Energie! Mehr als 100 Mrd. Gehirnzellen mit jeweils bis zu 15.000 Verbindungen (Synapsen) zu anderen (insgesamt 70 - 100 Bill. Verknüpfungen) befinden sich zusammen mit Nervenbahnen von ca. 5,8 Mill. Kilometern Länge (145facher Erdumfang) in dieser schwabbelnden, grauen Masse. 

 

Wie kommt da Wissen rein?

 

Eins sei vorweggeschickt: Unser Gehirn ist kein Daten- sondern ein Erlebnisspeicher, denn ohne Gefühl geht nichts! Dafür sorgt die Amygdala - ein Teil des limbischen Systems - als gefühlsmäßiger Türöffner für unsere Entscheidungen.

Die Aussage "Die Herdplatte ist heiß" reicht meistens nicht aus. Dazu bedarf es entweder des Schmerzes des Ausprobierens, des Klapps auf die Finger oder des warnenden Gesichts der Mutter.

 

Kurz gesagt passiert Folgendes:

Über unsere 5 Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Fühlen, Schmecken) nehmen wir einen Reiz wahr, der in einen elektrischen Impuls umgewandelt wird (wie beim Telefonieren) und als solcher in eine Gehirnzelle (Neuron) eingeht. Um eine Verbindung (Synapse) zu einer weiteren Zelle herstellen zu können, wird der Impuls kurzfristig chemisch umgewandelt und schwimmt als Botenstoff (Neurotransmitter) zur nächsten Zelle, in der er wieder in einen elektrischen Impuls gewandelt wird. Und so weiter ...

 

So entstehen die für unser Wissen so wichtigen Netzwerke (Synapsen) im Gehirn. Allerdings hat unsere Aufmerksamkeit während der Reizwahrnehmung wesentlichen Einfluss auf

  • die Synapsenstärke und damit wie stark das Signal übertragen wird und
  • die Reizschwelle, die entscheidet ob ein Signal überhaupt weitergeleitet wird - Feuert die Zelle oder nicht?

Die noch so freundlich formulierte Bitte der Ehefrau an ihren Mann, den Müll zu entsorgen, während seine volle Aufmerksamkeit einem Fußballspiel gewidmet ist, wird mit Sicherheit an dieser Reizschwelle scheitern!

 

Wie bleibt das Wissen im Gedächtnis damit es bei Bedarf abgerufen werden kann?

 

Es gibt 3 Gedächtnisse: das Ultrakurzzeit-, das Arbeits- (oder Kurzzeit-) und das Langzeitgedächtnis. Eigentlich sind sie gar nicht "da" sondern müssen ständig auf- und ausgebaut werden.

 

Die durch unsere Sinnesorgane hervorgerufenen, sensorischen Reize gehen als Signal in das Ultrakurzeitgedächtnis ein und werden sofort (Speicherdauer 0,5 - 2 Sekunden!) - je nach gerade aktiven Interessen und Höhe der Aufmerksamkeit - in wichtig und unwichtig sortiert. Zu diesem Zeitpunkt Unwichtiges wird gelöscht als wenn es niemals da gewesen wäre, obwohl es Teil der Wirklichkeit ist (die Bitte der Ehefrau!).

 

Nur das was uns interessiert und sich nachhaltig als bemerkenswert den Gehirnzellen (Neuronen) aufdrängt, wird weiterverarbeitet!

 

"Wichtiges" gelangt in das Arbeitsgedächtnis und wird vorübergehend als Neuronen-Aktivität gespeichert.

 

Erst wenn das Arbeitsgedächtnis in regelmäßigen Abständen erneut aktiviert wird, speichert das Langzeitgedächtnis Neuronen-Verbindungen als Hirnstruktur (Netzwerk) ab. Das eigentliche Einspeichern ins Langzeitgedächtnis beginnt erst dann, wenn wir aufgehört haben uns mit den Lerninhalten bewusst zu befassen.

 

Entscheidend für das nachhaltige Lernen ist also die Ruhe (am besten Schlaf), die wir uns nach der Lernphase gönnen! Tun wir das nicht, lernen wir viel und behalten wenig!

 

Und was "lernen" wir so gerne kurz vorm Schlafengehen? - Schlechte Nachrichten aus dem Fernseher! - Klar, dass wir die behalten!

 

Jetzt haben wir alles getan damit unser neues Wissen im Gedächtnis angekommen und gespeichert ist und können es jederzeit abrufen  - oder?

 

Ja - vorausgesetzt wir trainieren es möglichst täglich für ca. 5 Minuten. Denn bereits nach 24 Stunden beginnen die ersten Gehirnzellen ihre Verbindungen zu löschen, da sie vermeintlich - da nicht aktiviert - nicht benötigt werden.

 

Wollen wir Neues lernen oder Veränderungen in unser Leben bringen, spielen folgende Faktoren eine entscheidende Rolle:

  • Das Gefühl dazu
  • Die Aufmerksamkeit - achtsame Wahrnehmung und Interesse
  • Die Ruhe nach der Lernphase
  • Ständiges Erinnern an, Besinnen auf das Neue bzw. Trainieren

Beachten wir dieses, geben wir unserem Gehirn die kompetente Führung die es braucht, in unserem Sinne zu agieren und zur Erfüllung unserer Wünsche beizutragen.

 

Na dann kann es ja losgehen!

 

Viel Spaß dabei wünscht

Martina Rodenbostel